In der Broschüre connecting the dots findet ihr Vorschläge für die Arbeit mit den Zeitstrahlzitaten im Unterricht und der politischen Bildungsarbeit. Außerdem sind dort Hintergrundartikel und Interviews zu einigen Zeitstrahlthemen zu finden.
Hier könnt ihr außerdem alle Zitate mit Zusatzinformationen als Tabellendokument herunterladen.

Kurzbeschreibung für die Anwendung der Zeitstrahlmethode im Seminar oder Unterricht (eine ausführliche Beschreibung findet ihr in der Broschüre connecting the dots):

Im Seminarraum wird eine grobe Zeitachse (je nach ausgewählten Zitaten z.B. 1500 – heute) auf dem Boden ausgelegt. Je nach thematischem Schwerpunkt und zur Verfügung stehender Zeit werden 6-12 Zitate ausgesucht und an die Gruppe verteilt. Bei den Zitaten fehlt die Autor*innenangabe sowie die Jahreszahl. Die Teilnehmer*innen wissen also nicht, von wem und von wann das Zitat stammt.

Zu zweit oder dritt diskutieren sie die Zitate und schätzen ein, wann und aus welcher Perspektive die Aussagen entstanden sein könnten. In den Zitaten werden machtstrukturelle und/oder koloniale Kontinuitäten und Brüche in Bezug auf das behandelte Thema (z.B. Rassismus) deutlich. Es handelt sich sowohl um Aussagen, die hegemoniale, im ,Westen‘ vorherrschende, Sprechweisen über ,die Anderen‘ und ,das Eigene‘ repräsentieren, als auch um (rassismus-)kritische Zitate und solche aus dem (z.B. antikolonialen) Widerstand.

Die Auswahl der Zitate sollte gut durchdacht sein. Sie sollte es ermöglichen, Stimmen nebeneinander zu stellen, die sonst nicht miteinander in Verbindung gebracht werden. So wird deutlich, dass der heutige hegemoniale Blick (z.B. auf den Globalen Süden, auf Schwarze Menschen und PoC) durch eine koloniale Vergangenheit geprägt ist. Gleichzeitig zeigen die widerständigen Stimmen Wege auf, Geschichte, Gegenwart und Zukunft anders zu denken.

Die Arbeit mit einem postkolonialen Zeitstrahl ermöglicht es einerseits, marginalisiertes historisches Wissen zu vermitteln und dadurch diesen Perspektiven eine Öffentlichkeit zu schaffen. Andererseits lernen die Teilnehmer*innen durch diese Multiperspektivität die Vielfältigkeit und Konstruiertheit von Welt und Wissen kennen. Die Zitate überraschen, schaffen Irritationen, hinterfragen Denkmuster, empowern. Für viele Teilnehmende ist die Lerneinheit eine emotionale Erfahrung, da Aha-Erlebnisse (z.B. über ein Nicolas Sarkozy-Zitat von 2007, das viele im 18. Jahrhundert einordnen) mit Wissensvermittlung (z.B. dass Hegel als Vertreter der Aufklärung an der Etablierung von Rassentheorien in Deutschland beteiligt war) verbunden werden. Etablierte Wissenssysteme werden in Frage gestellt und damit bei den Teilnehmer*innen Neugier und Lust auf eine selbstständige Weiterbeschäftigung mit dem Thema entfacht.